ICE und SDP im WebRTC-Protokoll

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Februar 24, 2026

Mit dem Anstieg von Remote-Arbeit, Videokonferenzen und Livestreaming ist die Nachfrage nach Echtzeit-Kommunikationstechnologien exponentiell gewachsen. WebRTC, kurz für Web Real-Time Communication, ist eine äusserst leistungsstarke Technologie, die Echtzeitkommunikation zwischen Geräten über das Internet ermöglicht. Im Laufe der Jahre hat sie sich zur bevorzugten Lösung für Echtzeitkommunikationsanwendungen entwickelt.

Allerdings kann der Aufbau einer zuverlässigen Netzwerkverbindung zwischen Geräten eine grosse Herausforderung darstellen, insbesondere wenn Firewalls und andere Netzwerkbarrieren dazwischenliegen.

In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf zwei zentrale Komponenten der WebRTC-Technologie – die Protokolle ICE und SDP –, die eine effiziente und nahtlose Echtzeitkommunikation über das Internet ermöglichen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Das ICE-Protokoll
  2. Wie hilft ICE WebRTC dabei, NATs und Firewalls zu durchdringen?
  3. ICE-Kandidaten
  4. Wie bestimmen ICE-Kandidaten Netzwerkpfade?
  5. ICE-Server in WebRTC
  6. Arten von ICE-Servern
  7. STUN-Server
  8. TURN-Server
  9. Die Rolle von ICE-Servern im WebRTC-Verbindungsprozess
  10. Das SDP-Protokoll
  11. Die Rolle von SDP in WebRTC
  12. Wie SDP funktioniert
  13. Entfessele die Kraft der Echtzeitkommunikation mit der ICE- und SDP-Technologie von Digital Samba
  14. Fazit

Das ICE-Protokoll

Das ICE-Protokoll, kurz für Interactive Connectivity Establishment, ist eine Technik in WebRTC, mit der Verbindungen zwischen Geräten über das Internet aufgebaut werden. Es hilft dabei, Hindernisse wie NATs (Network Address Translators) und Firewalls zu überwinden, die eine direkte Peer-to-Peer-Kommunikation erschweren können.

Durch einen Prozess namens „ICE Gathering“ tauschen Geräte Netzwerkadressen aus, sogenannte ICE-Kandidaten, um den effizientesten Netzwerkpfad für eine stabile Verbindung zu bestimmen. So wird eine nahtlose Echtzeitkommunikation ermöglicht – selbst wenn Netzwerkbarrieren bestehen.

Wie hilft ICE WebRTC dabei, NATs und Firewalls zu durchdringen?

NAT, kurz für Network Address Translator, ist eine Technik, die von Routern eingesetzt wird, um interne IP-Adressen von Geräten im Netzwerk zu sparen, zu verbergen und zusätzlich abzusichern. Router ermöglichen dies, indem mehrere Geräte im lokalen Netzwerk eine einzige öffentliche IP-Adresse gemeinsam nutzen, über die sie mit anderen Geräten kommunizieren können, zum Beispiel mit DNS-Servern oder externen Systemen.

Obwohl NATs Netzwerke sicherer machen, stellen sie auch ein erhebliches Hindernis für die direkte Peer-to-Peer-Kommunikation zwischen Geräten dar.

Hier kommt ICE ins Spiel.

ICE hilft WebRTC, NATs und Firewalls zu durchdringen, indem Geräte den effizientesten Netzwerkpfad zwischen sich finden und nutzen können – unabhängig davon, wie das Netzwerk konfiguriert ist.

Dies geschieht über einen Prozess namens „ICE Gathering“. Während dieses Prozesses tauschen Geräte sogenannte ICE-Kandidaten aus, also potenzielle Netzwerkadressen. Diese Kandidaten beschreiben die verschiedenen Wege, über die eine Verbindung aufgebaut werden kann. Das ICE-Protokoll bewertet anschliessend diese Kandidaten und wählt den am besten geeigneten Pfad aus, um eine Verbindung herzustellen – selbst dann, wenn NATs und Firewalls die direkte Peer-to-Peer-Kommunikation erschweren.

ICE-Kandidaten

In WebRTC dienen ICE-Kandidaten als Adressen, über die sich Geräte im Internet miteinander verbinden können. Ein Gerät kann mehrere ICE-Kandidaten haben, die jeweils Informationen wie IP-Adressen, Portnummern und Transportprotokolle enthalten. Diese Kandidaten sind entscheidend, um unabhängig von der jeweiligen Netzwerkkonfiguration die bestmögliche Verbindung zwischen Geräten herzustellen.

Beim Aufbau einer WebRTC-Verbindung teilt jedes Gerät seine Liste an ICE-Kandidaten mit dem anderen Gerät. Anhand dieser Informationen wird der beste verfügbare Netzwerkpfad für die Sitzung ermittelt, sodass eine erfolgreiche Verbindung zustande kommt.

Wie bestimmen ICE-Kandidaten Netzwerkpfade?

ICE-Kandidaten nutzen einen Prozess namens „Connectivity Checks“, um festzustellen, welcher Netzwerkpfad verwendet werden soll. Dabei werden zwischen den beiden Geräten Nachrichten ausgetauscht, um die Verbindungsqualität und Latenz zu testen.

Sobald der beste Netzwerkpfad ermittelt wurde, bauen die Geräte eine direkte Peer-to-Peer-Verbindung über das Internet auf. STUN- und TURN-Server, auf die wir später noch eingehen, werden häufig eingesetzt, um den Austausch von ICE-Kandidaten zu unterstützen und Verbindungen herzustellen, wenn eine direkte Peer-to-Peer-Kommunikation nicht möglich ist.

Durch die Nutzung von ICE-Kandidaten zur Ermittlung des optimalen Netzwerkpfads kann WebRTC NATs und Firewalls überwinden und Nutzer miteinander verbinden – selbst bei komplexen Netzwerkkonfigurationen.

How do ICE Candidates determine network paths - Digital Samba

ICE-Server in WebRTC

Ein ICE-Server ist eine zentrale Komponente der WebRTC-Technologie. Er arbeitet eng mit dem ICE-Protokoll zusammen und stellt die Infrastruktur bereit, die es Geräten ermöglicht, über das Internet eine Verbindung miteinander aufzubauen.

ICE-Server sind besonders wichtig, wenn Geräte durch NATs oder Firewalls voneinander getrennt sind.

Arten von ICE-Servern

Es gibt zwei Hauptarten von ICE-Servern:

  • STUN-Server (ausgeschrieben: Session Traversal Utilities for NAT)
  • TURN-Server (ausgeschrieben: Traversal Using Relays around NAT)

STUN-Server

Geräte im Internet kommunizieren über IP-Adressen und Portnummern. Damit diese Kommunikation schnell und effizient funktioniert, muss jedes Gerät die IP-Adresse und Portnummer des Geräts kennen, mit dem es sich verbinden möchte.

In WebRTC nutzen Geräte STUN-Server, um ihre eigene öffentliche IP-Adresse und Portnummer zu ermitteln, die sie für die Kommunikation verwenden können. Dazu senden sie Datenpakete an den STUN-Server und erhalten Antworten, die ihre öffentliche Adresse und den zugehörigen Port enthalten.

In vielen Fällen befinden sich Geräte hinter Firewalls oder NATs, die ihre tatsächliche IP-Adresse verbergen und eine direkte Peer-to-Peer-Kommunikation über das Internet verhindern. Genau hier kommen STUN-Server ins Spiel. Wenn ein Gerät versucht, sich mit einem anderen Gerät zu verbinden, helfen STUN-Server dabei, die öffentliche IP-Adresse und Portnummer zu bestimmen – selbst wenn sich das Gerät hinter einer Firewall oder einem NAT befindet. Dabei kann auch erkannt werden, ob es sich beispielsweise um ein Full-Cone-NAT oder ein adressbeschränktes NAT handelt.

Der STUN-Server gibt anschliessend die IP-Adresse und Portnummer zurück, die der Client für den Aufbau einer Peer-to-Peer-Verbindung verwenden kann. Auf diese Weise reduziert STUN Latenz und Bandbreitenverbrauch, da die Datenpakete direkt zwischen den Geräten ausgetauscht werden. Diese Informationen helfen zudem dem ICE-Protokoll, den optimalen Kommunikationspfad zu bestimmen.

Allerdings funktionieren STUN-Server nicht bei restriktiveren NAT-Typen wie dem sogenannten symmetrischen NAT. In solchen Fällen kommen TURN-Server zum Einsatz. Häufig wird zusätzlich ein Reverse-Proxy-Server als Layer-4-Proxy verwendet, um rohe Datenpakete zwischen den WebRTC-Clients und dem TURN-Server weiterzuleiten, wodurch der Bedarf an zusätzlicher Hardware reduziert werden kann.

TURN-Server

Ein TURN-Server fungiert als Relay zwischen WebRTC-Geräten, die aufgrund von Netzwerkeinschränkungen keine direkte Peer-to-Peer-Verbindung herstellen können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich beide Geräte hinter NATs oder Firewalls befinden oder wenn ein Gerät hinter einem symmetrischen NAT sitzt, das keine direkte Kommunikation zulässt.

TURN-Server verursachen höhere Kosten als STUN-Server, da sie ressourcenintensiver sind und mehr Bandbreite benötigen, um die Datenpakete weiterzuleiten.

Um die Kosten von TURN-Servern zu reduzieren, kann anstelle eines Full-Cone-NAT ein Address-Restricted-NAT eingesetzt werden. Ein Address-Restricted-NAT ermöglicht es mehreren Geräten, dieselbe öffentliche IP-Adresse und Portnummer zu nutzen, wodurch die Anzahl der Verbindungen reduziert wird, die ein TURN-Server verarbeiten muss.

Allerdings kann dies die Latenz erhöhen und die Gesamtleistung beeinträchtigen. Eine weitere Möglichkeit zur Leistungssteigerung von TURN-Servern ist der Einsatz von Hardwarebeschleunigung, um die Latenz zu senken. Diese Lösung kann jedoch ebenfalls mit höheren Implementierungskosten verbunden sein.

Role of ICE Servers in the WebRTC Connection Process - Digital Samba

Die Rolle von ICE-Servern im WebRTC-Verbindungsprozess

ICE-Server spielen eine entscheidende Rolle beim Aufbau einer WebRTC-Verbindung, indem sie Geräten dabei helfen, sich gegenseitig zu entdecken und miteinander zu verbinden. Wenn zwei Geräte versuchen, eine WebRTC-Verbindung herzustellen, sendet jedes Gerät seine Liste an ICE-Kandidaten an das jeweils andere Gerät.

Kann zwischen den beiden Geräten keine direkte Verbindung aufgebaut werden, kommen ICE-Server zum Einsatz, um Medienströme weiterzuleiten und die Verbindung dennoch erfolgreich herzustellen.

Das SDP-Protokoll

Das Session Description Protocol (SDP) ist ein textbasiertes Protokoll, das zum Aufbau von Multimedia-Sitzungen zwischen Geräten über das Internet verwendet wird. Es enthält Details zu den Medienströmen, wie beispielsweise den verwendeten Codec, das Transportprotokoll sowie weitere relevante Informationen.

Die Rolle von SDP in WebRTC

SDP spielt eine zentrale Rolle in WebRTC, da es Geräten ermöglicht, Medienformate, Transportprotokolle und weitere für eine erfolgreiche Verbindung erforderliche Details auszuhandeln. Wenn zwei Geräte versuchen, eine WebRTC-Verbindung herzustellen, tauschen sie SDP-Nachrichten aus, um die Details der Medienströme zu verhandeln, die sie senden und empfangen möchten.

Wie SDP funktioniert

Wenn Geräte eine Verbindung über das Internet aufbauen, müssen sie sich gegenseitig mitteilen, welche Art von Medienströmen sie senden und empfangen möchten, welche Transportprotokolle verwendet werden sollen, welcher Codec eingesetzt wird und welche weiteren Informationen für den Verbindungsaufbau erforderlich sind. All diese Angaben werden in Form einer SDP-Nachricht ausgetauscht.

Kommen die Geräte zu einer Einigung über die Verbindungsparameter, wird eine Peer-to-Peer-Verbindung aufgebaut, und die Geräte können Medienströme direkt und standardisiert senden und empfangen. Dadurch wird zudem die Kompatibilität zwischen Geräten unterschiedlicher Hersteller sichergestellt.

Entfessele die Kraft der Echtzeitkommunikation mit der ICE- und SDP-Technologie von Digital Samba

ICE und SDP sind zwei zentrale Protokolle in WebRTC – der technologischen Grundlage unserer Videokonferenz-API. Wie oben beschrieben, ist ICE dafür verantwortlich, die Verbindung zwischen Geräten über das Internet herzustellen, während SDP die Parameter einer Multimedia-Sitzung zwischen diesen Geräten aushandelt.

Vorteile für dich

  • Nahtlose Verbindungen
    Du kannst dich problemlos mit anderen verbinden, ohne dir Gedanken über NATs oder Firewalls machen zu müssen, die die Verbindung beeinträchtigen könnten. So ist Echtzeitkommunikation jederzeit möglich – unabhängig von Standort oder Netzwerk.
  • Stabile und zuverlässige Verbindungen
    Unsere API sorgt für eine stabile und verlässliche Verbindung. Du kannst dich auf eine hochwertige Kommunikation verlassen, selbst bei anspruchsvollen Netzwerkbedingungen.
  • Flexibilität bei Medienformaten und Protokollen
    Du kannst verschiedene Medienformate und Transportprotokolle nutzen und so genau so kommunizieren, wie es zu deinen geschäftlichen Anforderungen passt – ob per Video, Audio oder Messaging.

Insgesamt spielen ICE und SDP eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Digital Samba als Plattform für Echtzeitkommunikation. Durch den Einsatz dieser Technologien bietet Digital Samba eine nahtlose und zuverlässige Kommunikation in Echtzeit – unabhängig vom geografischen Standort oder dem gewählten Kommunikationskanal.

Fazit

Wenn es um Echtzeitkommunikation zwischen Geräten über das Internet geht, zählt WebRTC zu den leistungsfähigsten Technologien. Es nutzt die Kombination aus ICE- und SDP-Protokollen, um nicht nur sichere Verbindungen aufzubauen, sondern auch eine stabile und zuverlässige Kommunikation während der gesamten Sitzung zu gewährleisten. ICE hilft Geräten dabei, NATs und Firewalls zu überwinden, während SDP die Parameter der Multimedia-Sitzung zwischen den Geräten aushandelt und abstimmt.

Unsere API nutzt ICE, ICE-Server und SDP, um eine robuste Plattform für Videokonferenzen in Echtzeit bereitzustellen. ICE und ICE-Server stellen sicher, dass Nutzer sich auch dann verbinden können, wenn NATs oder Firewalls den direkten Zugriff erschweren. SDP ermöglicht es den Geräten, die bestmöglichen Parameter für jede Verbindung auszuhandeln und sorgt so für hochwertige Audio-, Video- und Textkommunikation.

Die DSGVO-konforme Videokonferenz-API von Digital Samba setzt auf ICE und SDP und gehört damit zu den leistungsstärksten und zuverlässigsten Lösungen für Echtzeitkommunikation. Ob für Arbeit, Bildung oder den privaten Austausch – du kannst dich darauf verlassen, dass Digital Samba ein erstklassiges Nutzungserlebnis bietet.